Zirkulrität &
Lebenszyklus

Im Kern lässt sich Ressourcenschonung im Bau ganz einfach zusammenfassen: 

Sparsamer und klüger mit den Schätzen unserer Erde umzugehen.

 

Jedes Gebäude benötigt Unmengen an Rohstoffen – Sand, Kies, Erze, Holz und Wasser. Da diese Vorräte auf unserem Planeten begrenzt sind, müssen wir so bauen, dass wir die Umwelt so wenig wie möglich ausbeuten.

 

Um das zu erreichen, gibt es 3 Prinzipien, denen man im Bau folgen kann:

Die Baubranche ist in Deutschland für über 50 % des gesamten Abfallaufkommens verantwortlich. Jährlich entstehen Millionen Tonnen Bauschutt, die oft nur noch als minderwertiges Füllmaterial unter Straßen landen (Downcycling) oder auf Deponien teuer gelagert werden müssen. Zirkularität stoppt diesen Müllberg an der Quelle.

Die Herstellung von Baustoffen (besonders Beton und Stahl) verbraucht gigantische Mengen an Energie und stößt massiv CO₂ aus. Wenn wir Materialien im Kreislauf halten, müssen wir sie nicht energieintensiv neu produzieren. Das ist der effektivste Weg, den ökologischen Fußabdruck unserer Gebäude zu senken.

Rohstoffe

Müll

CO₂

Sand, Kies, Kupfer und andere Materialien sind keine unendlichen Ressourcen. Wenn wir weiterhin so viel „neues“ Material aus der Erde graben, gehen uns die Rohstoffe aus – und die Preise steigen massiv an. Ein zirkuläres Haus nutzt das, was bereits vorhanden ist, und schont die natürlichen Vorräte unseres Planeten.

Lebenszyklus

Was ist das?

Zirkularität bedeutet, ein Gebäude nicht als statisches Objekt zu sehen, sondern als einen Prozess.

 

In der Fachwelt sprechen wir vom Lebenszyklus eines Gebäudes und teilen ihn in verschiedene Phasen. Während man früher bei der Betrachtung beim „Abbruch“ aufhörten, plant man heute bereits die Zeit nach dem Gebäude aktiv mit.

Eigene Darstellung nach Inhalten des DGNB

Wie wird er unterteilt?

Herstellung & Design (A1-A3):

Hier entscheidet sich alles. Wir wählen Materialien, die nachwachsen oder bereits recycelt sind. Das Design folgt dem Prinzip „Design for Disassembly“ – alles wird so konstruiert, dass man es später zerstörungsfrei wieder auseinandernehmen kann.

Errichtung (A4-A5):

Der Bauprozess selbst wird ressourcenschonend gestaltet, Transportwege werden minimiert und Abfälle auf der Baustelle vermieden.

Nutzung & Instandhaltung (B1-B7):

Ein zirkuläres Haus ist langlebig und flexibel. Räume können einfach umgenutzt werden, statt sie abzureißen. Bauteile werden gewartet, statt sie auszutauschen.

Rückbau statt Abriss (C1-C4):

Am Ende der Nutzung wird das Haus „geerntet“. Da wir im ersten Schritt auf Klebstoffe und Verbundmaterialien verzichtet haben, können wir die Bauteile nun sauber trennen.

Die nächste Wiege (Modul D):

Hier schließt sich der Kreis. Die gewonnenen Materialien werden zu wertvollen Ressourcen für das nächste Bauprojekt. Abfall existiert in diesem Modell nicht mehr.

Materialien, die heute billig sind (z. B. Verbunddämmungen), kosten beim Abriss in 40 Jahren ein Vermögen an Entsorgungsgebühren. Zirkuläre Stoffe sparen diese Kosten.

Weitblick

Warum ist die Betrachtung eines Gebäudes über den gesamten Lebenszyklus wichtig?

 

Weil sie alles verändert.

 

Wenn wir nur die Baukosten betrachten, gewinnt oft die billigste, wenig nachhaltige Lösung. Schauen wir aber auf den gesamten Lebenszyklus, verschiebt sich das Bild.

Ein Haus mit hochwertigen, trennbaren Rohstoffen behält einen materiellen Restwert.

Es ist ein „Sparkonto“ auf dem Grundstück.

Vermeidung von

Werterhalt

Sondermüll

der Materialien

Ganzheitliche

CO₂-Bilanz

Nur wer den Lebenszyklus kennt, sieht die graue Energie. Ein vermeintlich effizientes Haus kann eine katastrophale Bilanz haben, wenn die Herstellung seiner Hightech-Fassade extrem viel Energie verschlungen hat.

Wichtig & richtig

Das Modul D spielt eine wichtige Rolle bei der Lebenszyklus betrachtung, aber es ist nicht so einfach, auf den ersten Blick richtig zu verstehen, wie und wo es berücksichtigt wird. Vielleicht ist dir schon aufgefallen, dass es in der Abbildung oben außerhalb des Lebenszyklus angeordent ist. Warum ist das so?

 

Die Module A bis C beschreiben alles, was innerhalb dieses Lebensweges passiert. Wenn das Gebäude abgerissen wird (Modul C), ist seine Geschichte eigentlich zu Ende.

Modul D betrachtet jedoch, was mit dem Material im nächsten Leben (im nächsten Gebäude oder Produkt) passiert.

 

Wenn man die CO2-Ersparnis durch Recycling bereits dem alten Gebäude voll anrechnen würde (innerhalb von A–C), dürfte das neue Gebäude, das diesen Recyclingstoff verwendet, keinen Vorteil mehr daraus ziehen. Modul D ist also eine Art „Transfer-Zone“.

Die Module A bis C sind Tatsachen, die bei diesem Gebäude eintreten. Modul D ist ein Versprechen für die Zukunft. Es zeigt das Potenzial auf, das dieses Gebäude der nächsten Generation als Gutschrift hinterlässt.

 

 

Das Modul D

Eigene Darstellung, die Einordnungen basieren auf den Datensätzen der ÖKOBAUDAT des BMWSB sowie den Bewertungskriterien der DGNB (Steckbrief ENV 1.1) unter Berücksichtigung der Normvorgaben der DIN EN 15804

Bei Zertifizierungen und Ökobilanzierungen wird daher das Modul D wird keinem der beiden Gebäude direkt in die Bilanz eingerechnet, sondern steht als separater Wert daneben. Obwohl es nicht mathematisch abgezogen wird, hat es für beide Seiten eine enorme Bedeutung:

Dem aktuellen Gebäude (dem „Geber“):

Bei einer Zertifizierung (wie DGNB) bekommt das aktuelle Gebäude Punkte für ein hohes Modul D. Es wird belohnt, weil es der Zukunft Rohstoffe zur Verfügung stellt.

Es verbessert also das Rating (Silber/Gold/Platin), aber nicht den realen CO₂-Ausstoß der Bauphase.

Dem zukünftigen Gebäude (dem „Nehmer“):

Wenn in 50 Jahren ein neues Haus aus den Resten des alten gebaut wird, profitiert dieses Haus in seinem Modul A (Herstellung). Da es recyceltes Material verwendet, hat es dort einen viel geringeren CO₂-Wert als wenn es neues Material (Primärrohstoffe) kaufen würde.

Gebäuderessourcenpass

Um ein Gebäude in der Praxis nach seiner Nutzungsphase im Modul D auch wirklich als Rohstofflager nutzen zu können, muss natürlich dokumentiert werden, welche Materialien oder Bauteile wo und wie verbaut sind. Hier kommt der Gebäuderessourcenpass ins Spiel.

 

Der Gebäuderessourcenpass ist ein zentrales Dokumentationsinstrument, das die stoffliche Zusammensetzung und die ökologische Qualität eines Gebäudes über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg abbildet.

 

Er dient als digitaler Nachweis über die verbauten Materialmengen, deren Herkunft sowie deren Verwertungspotenzial nach der Nutzungsphase.

Das Dokument fasst also alle wesentlichen Informationen zusammen, die für eine Bewertung der Nachhaltigkeit notwendig sind.

 

Die Einführung des Gebäuderessourcenpasses ist eine Reaktion auf die regulatorischen Anforderungen der Bauwende. Er schafft die notwendige Datenbasis, um Gebäude als Bestandteil einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft zu führen.

 

Wenn du Genaueres darüber erfahren willst, kannst du Informationen auf der Website des DGNB bekommen.

Quelle: https://www.dgnb.de/de/nachhaltiges-bauen/zirkulaeres-bauen/gebaeuderessourcenpass

Relevanz

Für private und gewerbliche Bauherr:innen erfüllt der Pass mehrere Funktionen, die über die reine Information hinausgehen:

 

Nachweis für Förderprogramme: Der Gebäuderessourcenpass ist eine wesentliche Voraussetzung für den Erhalt staatlicher Förderungen, wie etwa im Rahmen des Qualitätssiegels Nachhaltiges Gebäude (QNG).

 

Wertermittlung: Durch die präzise Dokumentation der Materialwerte kann das Gebäude bei Wertermittlungen und Bankbewertungen besser eingestuft werden. Es wird nicht nur als Immobilienwert, sondern auch als Materialwert betrachtet.

 

Instandhaltung und Umbau: Bei späteren Sanierungen oder Erweiterungen liegen exakte Daten über die verbauten Stoffe vor, was Planungsfehler minimiert und die Kostensicherheit erhöht.

Ökobilanzierung & Zertifizierung

Die Ökobilanzierung ist eine systematische Analyse der Umweltwirkungen von Produkten oder Gebäuden während ihres gesamten Lebensweges - also über den gesamten Lebenszyklus betrachtet.

Dabei werden alle Stoff- und Energieströme erfasst:

 

Input: Rohstoffe, Energie, Wasser, Landverbrauch.

Output: Emissionen in Luft (CO₂), Wasser und Boden sowie Abfälle.

 

Das Ergebnis wird in verschiedenen Wirkungskategorien ausgedrückt. Die bekannteste ist das Treibhauspotenzial (GWP),

also der CO₂-Fußabdruck. 

 

Die Rolle der Ökobilanzierung für Zertifizierungen

Ohne Ökobilanz gibt es keine seriöse Gebäude-Zertifizierung. Sie fungiert als der objektive Nachweis, dass die Nachhaltigkeitsziele erreicht wurden. Es gibt 3 wesentliche Gründe, warum Zertifizierer eine Ökobilanz fordern:

 

Grenzwerte einhalten: Bei manchen Zertifizierungen gibt es strikte Grenzwerte für das Treibhauspotenzial (GWP) pro Quadratmeter und Jahr. Wer diese in der Ökobilanz überschreitet, erhält kein Zertifikat und somit keine Förderung.

 

Ganzheitliche Optimierung: Zertifizierungen belohnen Gebäude, die über den gesamten Lebenszyklus wenig Energie verbrauchen. Die Ökobilanz verhindert, dass man sich „reich rechnet“ (z.B. eine Solarzelle einplant, deren Herstellung mehr CO₂ verbraucht, als sie jemals einspart).

 

Vergleichbarkeit: Da alle nach derselben Norm (DIN EN 15978) bilanzieren, kann ein:e Investor:in die ökologische Qualität eines Hauses in Berlin direkt mit einem Haus in München vergleichen.

 

Die bekanntesten und verbreitetsten Zertifizierungen sind die des DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen), das BNB (Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen) oder das QNG-Siegel (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude).

 

Wenn du mehr darüber erfahren willst, wie genaudie Zertifizierungen funktionieren und wo die Unterschiede liegen, kannst du dich auf den Websites der Anbieter informieren:

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